Verkehrspsychologische Beratung: Das musst du jetzt wissen
Der Begriff verkehrspsychologische Beratung wird für zwei verschiedene Dinge benutzt. Einmal für die gesetzlich geregelte Beratung in der Probezeit nach § 2a StVG. Und einmal allgemein für Gespräche mit Verkehrspsychologen zur Vorbereitung auf die MPU. Beide haben unterschiedliche Regeln, Ziele und Folgen.
Hier erfährst du, wann die Beratung Pflicht ist und wann freiwillig, wer sie durchführen darf, wie der Ablauf aussieht, was sie kostet und wie sie dir bei einer MPU helfen kann.
- In der Probezeit legt die Behörde nach der zweiten Stufe eine verkehrspsychologische Beratung innerhalb von zwei Monaten nahe (§ 2a Abs. 2 Nr. 2 StVG).
- Die Beratung ist ein Einzelgespräch, ihre Erkenntnisse sind nur für dich bestimmt, die Behörde bekommt nur eine Teilnahmebescheinigung.
- Durchführen dürfen sie nur amtlich anerkannte Berater mit Psychologiestudium und verkehrspsychologischer Ausbildung (§ 71 FeV).
- Freiwillige verkehrspsychologische Beratung zur MPU-Vorbereitung ist gesetzlich nicht geregelt, Umfang und Preis legt der Anbieter fest.
- Studien sehen die Qualifikation des Vorbereiters als starken Einflussfaktor auf das MPU-Ergebnis.
Verkehrspsychologische Beratung: Das Wichtigste in Kürze
| Beratung in der Probezeit | Beratung zur MPU-Vorbereitung | |
|---|---|---|
| Grundlage | § 2a Abs. 7 StVG, § 71 FeV | keine eigene gesetzliche Regelung |
| Auslöser | zweite Maßnahmenstufe der Probezeit | eigene Entscheidung, meist nach MPU-Anordnung |
| Form | Einzelgespräch, ggf. mit Fahrprobe | Einzel- oder Gruppensitzungen, auch online |
| Anbieter | amtlich anerkannte Berater | Verkehrspsychologen und andere Anbieter |
| Ergebnis | Teilnahmebescheinigung | Teilnahmebescheinigung, wenn vereinbart |
Rechtliche Grundlagen
§ 2a StVG, Probezeit: Die Maßnahmen laufen in drei Stufen. Erst kommt das Aufbauseminar. Fällst du danach erneut auf, verwarnt dich die Behörde schriftlich und legt dir nahe, innerhalb von zwei Monaten an einer verkehrspsychologischen Beratung teilzunehmen. Beim nächsten Verstoß wird die Fahrerlaubnis entzogen.
§ 2a Abs. 7 StVG, Inhalt: Die Beratung soll dir helfen, Mängel in deiner Einstellung zum Verkehr und in deinem Fahrverhalten zu erkennen und abzubauen. Sie findet als Einzelgespräch statt und kann durch eine Fahrprobe ergänzt werden. Der Berater soll die Ursachen klären und Wege zur Veränderung zeigen. Wichtig: Die Erkenntnisse sind nur für dich bestimmt. Die Behörde erhält nur eine Bescheinigung über die Teilnahme.
§ 71 FeV, Berater: Anerkannt wird nur, wer ein Psychologiestudium (Diplom oder Master), eine verkehrspsychologische Ausbildung und mehrjährige Erfahrung nachweist und an einer Qualitätssicherung teilnimmt.
Bis zur Punktereform 2014 brachte eine verkehrspsychologische Beratung auch außerhalb der Probezeit einen Punkterabatt. Diese Regel gibt es nicht mehr. Für den Punkteabbau gibt es heute das Fahreignungsseminar.
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In der Probezeit ist die Beratung nicht erzwingbar. Die Behörde „legt sie nahe“. Wenn du sie nicht machst, gibt es dafür keine eigene Strafe. Der nächste schwerwiegende oder die nächsten zwei weniger schwerwiegenden Verstöße führen aber in jedem Fall zur Entziehung. Die Beratung ist deine Chance, das zu verhindern.
Außerhalb der Probezeit ist verkehrspsychologische Beratung immer freiwillig. Keine Behörde kann sie dir vorschreiben. Sie wird aber oft empfohlen, wenn eine MPU ansteht, auch von den Begutachtungsstellen selbst. TÜV NORD schreibt, jeder solle sich möglichst früh im Vorfeld individuell beraten lassen.
Wann eine MPU dazukommt
Die Probezeit-Beratung ist keine MPU und ersetzt keine. Eine MPU kommt dazu, wenn die Fahrerlaubnis entzogen wurde und die FeV für die Neuerteilung ein Gutachten verlangt, etwa nach Alkohol ab 1,6 Promille, nach Drogen oder nach 8 Punkten.
Für die MPU-Vorbereitung gibt es Belege, dass die Art der Betreuung eine Rolle spielt. In einer Auswertung von DEKRA-Alkoholgutachten schnitten Kandidaten nach einer psychologisch geleiteten Vorbereitung besser ab als nach Maßnahmen anderer Anbieter oder ganz ohne Vorbereitung. Die Studie ist nicht randomisiert, zeigt aber eine klare Richtung. Die BASt rät, auf Qualifikation zu achten und Anbieter zu meiden, die dir „richtige Antworten“ antrainieren wollen.

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Die nächsten Schritte
- Klären, welche Beratung du brauchst: Probezeit-Verwarnung oder MPU-Vorbereitung?
- Probezeit: Einen amtlich anerkannten Berater suchen und die Beratung innerhalb von zwei Monaten nach der Verwarnung machen.
- MPU: Qualifikation prüfen. Frag nach Studium, verkehrspsychologischer Ausbildung und Erfahrung mit deinem Anlass.
- Kosten vergleichen: Preise sind nicht geregelt. Frag nach Stundenpreis, Zahl der Sitzungen und Gesamtbudget.
- Bescheinigung vereinbaren: Sie sollte Qualifikation, Gesamtdauer und Zahl der Sitzungen nennen. So empfiehlt es auch die BASt.
So bereitest du dich vor
Eine Beratung wirkt besser, wenn du vorbereitet kommst.
- Bring deine Unterlagen mit: Bußgeldbescheide, Strafbefehl, MPU-Anordnung, Akte.
- Schreib den Ablauf deiner Verstöße in eigenen Worten auf.
- Überleg, welche Fragen dir wichtig sind, etwa zu Abstinenz, Zeitplan oder Gespräch.
- Sei ehrlich. In der Probezeit-Beratung erfährt die Behörde keine Inhalte.
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Häufige Fragen
Wie lange dauert die MPU?
Der Untersuchungstag dauert meist etwa drei bis vier Stunden. Die Beratung vorher kann je nach Anlass einige Wochen bis viele Monate dauern, vor allem wenn Abstinenznachweise nötig sind.
Was kostet die MPU insgesamt?
Die Untersuchung kostet laut ADAC etwa 400 bis 800 Euro. Dazu kommen Nachweise, Beratung und die Neuerteilung. Beratungspreise legen die Anbieter selbst fest, frag deshalb nach dem Gesamtbetrag.
Kann man die MPU beim ersten Mal bestehen?
Ja. Die BASt meldet für 2025 insgesamt 58 Prozent positive Gutachten und 4,3 Prozent Kursempfehlungen. Eine eigene Quote für Erstversuche gibt es nicht, aber frühe Information und Schulung gingen in einer BASt-Studie mit deutlich besseren Ergebnissen einher.
Brauche ich für die MPU einen Abstinenznachweis?
Bei Alkohol und Drogen oft ja, bei Punkte-MPUs nicht. Die Dauer hängt von deiner Einordnung ab. Eine gute Beratung klärt früh, ob und wie lange du Belege brauchst.
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Programm ansehen§ 2a StVG: Fahrerlaubnis auf Probe
§ 71 FeV: Verkehrspsychologische Beratung
§ 4 StVG: Fahreignungs-Bewertungssystem
BASt: Verkehrspsychologische Vorbereitung auf die MPU
TÜV NORD: FAQ zur MPU
BASt: Rehabilitationsverlauf verkehrsauffälliger Kraftfahrer (M 226)
ADAC: MPU-Kosten
BASt: Begutachtung der Fahreignung 2025