1,7 Promille: Was jetzt auf dich zukommt
Mit 1,7 Promille wurdest du am Steuer oder auf dem Rad erwischt? Dann ist das keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat. Und weil der Wert über 1,6 Promille liegt, verlangt die Führerscheinstelle vor einer Neuerteilung in jedem Fall eine MPU.
Hier erfährst du, was bei 1,7 Promille rechtlich gilt, welche Strafe, Punkte und Sperrfrist dich erwarten, was auf dem Fahrrad anders ist und wie viel Alkohol hinter 1,7 Promille steckt. Am Ende steht der Weg zurück zum Führerschein.
Promillerechner
Schätze deinen Blutalkohol nach der Widmark-Formel. Das Ergebnis ist eine grobe Schätzung, kein Beweis für Fahrtüchtigkeit.
Die Rechnung nutzt übliche Richtwerte (Verteilungsfaktor 0,7 für Männer und 0,6 für Frauen, Resorptionsdefizit 10 bis 30 %, Abbau 0,1 bis 0,2 ‰ pro Stunde). Tatsächliche Werte schwanken stark. Fahr nach Alkohol nicht, auch wenn der Rechner einen niedrigen Wert zeigt.
- 1,7 Promille am Steuer ist eine Straftat nach § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr).
- Ab 1,6 Promille ordnet die Behörde die MPU zwingend an (§ 13 Satz 1 Nr. 2c FeV), auch bei einer Fahrt mit dem Fahrrad.
- Das Gericht entzieht die Fahrerlaubnis in der Regel und setzt eine Sperre von 6 Monaten bis 5 Jahren fest (§§ 69, 69a StGB).
- Eine Straftat mit Entziehung bringt 3 Punkte im Fahreignungsregister.
- 1,7 Promille entsprechen grob rund 90 bis 100 Gramm reinem Alkohol im Körper eines 80 kg schweren Mannes, je nach Trinkdauer mehr.
1,7 Promille: Was rechtlich gilt
Ab 0,5 Promille ist Autofahren eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG. Bei 1,7 Promille bist du weit darüber. Die Rechtsprechung sieht Autofahrer ab 1,1 Promille als absolut fahruntüchtig an. Das steht nicht im Gesetz, es ist ständige Rechtsprechung. Für dich bedeutet es: Es kommt nicht darauf an, ob du Fahrfehler gemacht hast. Die Fahrt ist eine Straftat nach § 316 StGB.
Hast du dabei jemanden gefährdet oder einen Unfall verursacht, kommt § 315c StGB (Gefährdung des Straßenverkehrs) in Betracht. Das wiegt schwerer.
Was direkt nach der Kontrolle passiert
- Die Polizei ordnet eine Blutprobe an. Der gemessene Wert steht später in der Akte.
- Der Führerschein wird meist sofort sichergestellt oder beschlagnahmt.
- Das Gericht kann die Fahrerlaubnis vorläufig entziehen (§ 111a StPO). Diese Zeit wird später auf die Mindestsperre angerechnet.
Ab wann bei 1,7 Promille eine MPU droht
Die Antwort ist einfach: Bei 1,7 Promille droht die MPU nicht nur, sie kommt. § 13 Satz 1 Nr. 2c FeV sagt, dass die Behörde ein medizinisch-psychologisches Gutachten anordnet, wenn jemand ein Fahrzeug mit 1,6 Promille oder mehr geführt hat. Das Wort „ordnet an“ lässt keinen Spielraum.
Zum Vergleich: Zwischen 1,1 und 1,6 Promille kann die Behörde eine MPU verlangen, wenn weitere Hinweise auf Alkoholmissbrauch dazukommen. Bei einer ersten Fahrt unter 1,1 Promille gibt es in der Regel keine MPU.
Was 1,7 Promille für die Einordnung bedeutet
Ein Wert über 1,6 Promille gilt in den Beurteilungskriterien als Hinweis auf eine ausgeprägte Alkoholtoleranz. Wer so viel Alkohol im Blut hat und noch fährt, hat oft über längere Zeit viel getrunken. Das heißt aber nicht automatisch, dass du dauerhaft abstinent leben musst. In der aktuellen 5. Auflage der Beurteilungskriterien (seit 2026) wurde die Schwelle, ab der eine Tat-BAK allein auf eine fortgeschrittene Problematik hindeutet, auf 2,5 bzw. 2,0 Promille angehoben. Ob bei dir kontrolliertes Trinken reicht oder Abstinenz nötig ist, hängt von deiner ganzen Trinkgeschichte ab, nicht nur vom Blutwert.
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MPU-Check startenStrafe, Punkte und Fahrverbot bei 1,7 Promille
Wie hoch die Strafe genau ausfällt, entscheidet das Gericht im Einzelfall. Pauschale Tabellen im Netz sind nur Orientierung. Diese Eckpunkte stehen im Gesetz:
| Folge | Rechtsgrundlage | Was gilt |
|---|---|---|
| Strafe | § 316 StGB | Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr |
| Entziehung der Fahrerlaubnis | § 69 StGB | Bei Trunkenheit im Verkehr gilt der Täter in der Regel als ungeeignet |
| Sperrfrist | § 69a StGB | 6 Monate bis 5 Jahre, mindestens 1 Jahr, wenn in den letzten 3 Jahren schon eine Sperre verhängt wurde |
| Punkte | Anlage 13 FeV | 3 Punkte für eine Straftat mit Entziehung |
Ein Fahrverbot wie bei 0,5 Promille ist hier nicht die Hauptfolge. Du verlierst die Fahrerlaubnis ganz und musst sie nach Ablauf der Sperre neu beantragen.
1,7 Promille Strafe als Ersttäter
Auch als Ersttäter kommst du um die Entziehung und die MPU in der Regel nicht herum. Die Höhe der Geldstrafe richtet sich nach deinem Einkommen (Tagessätze). Wie viele Tagessätze es werden, legt das Gericht fest. Bei Fragen zum Strafverfahren hilft ein Anwalt für Verkehrsstrafrecht.
Wie lange ist der Führerschein bei 1,7 Promille weg?
So lange, wie die Sperre dauert, plus die Zeit bis zur Neuerteilung. Den Antrag kannst du frühestens sechs Monate vor Ablauf der Sperre stellen (§ 20 Abs. 4 FeV). Nutze die Sperrzeit für die MPU-Vorbereitung. Wer erst nach der Sperre anfängt, verliert oft Monate.
1,7 Promille auf dem Fahrrad und E-Scooter
Auch auf dem Fahrrad ist 1,7 Promille eine Straftat. Radfahrer gelten nach der Rechtsprechung ab 1,6 Promille als absolut fahruntüchtig. Mit 1,7 Promille liegst du darüber.
Was beim Fahrrad anders ist
- Das Strafgericht kann dir die Fahrerlaubnis nach § 69 StGB nur entziehen, wenn die Tat mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs zu tun hat. Ein Fahrrad ist kein Kraftfahrzeug. Möglich ist aber ein Fahrverbot von bis zu sechs Monaten nach § 44 StGB.
- Die MPU kommt trotzdem. § 13 FeV spricht von einem „Fahrzeug“, und dazu zählt auch das Fahrrad. Die Führerscheinstelle ordnet die MPU an. Bringst du kein Gutachten bei, darf sie auf fehlende Eignung schließen und dir den Autoführerschein entziehen (§ 11 Abs. 8 FeV).
- Wer keinen Führerschein hat, ist nicht aus dem Schneider. Die Behörde kann dir das Führen von fahrerlaubnisfreien Fahrzeugen, also auch Fahrrädern, untersagen (§ 3 FeV).
E-Scooter
Ein E-Scooter ist rechtlich ein Kraftfahrzeug. Für dich gelten deshalb dieselben Grenzen wie im Auto: 0,5 Promille als Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille absolute Fahruntüchtigkeit, Entziehung der Fahrerlaubnis und ab 1,6 Promille die MPU.

Was wirklich gefragt wird, was der Gutachter prüft und wie du deine Antwort aufbaust. 32 Seiten als PDF.
Wie viel Alkohol sind 1,7 Promille?
Diese Frage stellt dir auch der Gutachter, allerdings andersherum: Er prüft, ob deine Angaben zur Trinkmenge zum Blutwert passen. Rechnen lässt sich das mit der Widmark-Formel.
Alkohol in Gramm = Promille × Körpergewicht in kg × Verteilungsfaktor
Der Verteilungsfaktor liegt bei Männern meist um 0,7 und bei Frauen um 0,6. Beispiel für einen Mann mit 80 kg: 1,7 × 80 × 0,7 ergibt rund 95 Gramm Alkohol, die zum Zeitpunkt der Blutprobe im Körper waren.
Wie viel Bier ist das?
Ein halber Liter Bier mit 5 Prozent enthält etwa 20 Gramm Alkohol. Rein rechnerisch sind das also knapp 5 große Bier. Die echte Trinkmenge liegt aber höher:
- Der Körper baut pro Stunde etwa 0,1 bis 0,2 Promille ab. Wer über vier Stunden getrunken hat, hatte deutlich mehr.
- Nicht jeder Schluck landet im Blut. Ein Teil geht durch das sogenannte Resorptionsdefizit verloren.
- Wein, Schnaps und Mischgetränke haben andere Mengen pro Glas.
Die Rechnung ist eine Schätzung, kein exakter Wert. Wichtig ist: Wer in der MPU zwei Bier angibt, aber 1,7 Promille hatte, wird unglaubwürdig. Widersprüche zur Akte führen dazu, dass die Angaben als nicht verwertbar gelten. Rechne deine Menge deshalb vorher ehrlich nach.
Führerschein zurück: Die Schritte nach der Fahrt
- Akteneinsicht beantragen. Du hast das Recht, die Unterlagen einzusehen, die an die Begutachtungsstelle gehen. Dort stehen Uhrzeit, Blutwert und Polizeibericht.
- Trinkgeschichte klären. Wie viel, wie oft, seit wann? Daraus ergibt sich, ob kontrolliertes Trinken reicht oder ob Abstinenz nötig ist.
- Nachweise rechtzeitig starten. Brauchst du einen Abstinenznachweis, dauert der meist 6 oder 12 Monate. Er muss bei einer dafür zugelassenen Stelle laufen, nicht beim Hausarzt.
- Verhalten ändern und aufschreiben. Die Gutachter wollen eine stabile Änderung sehen, in der Regel über ein Jahr, mindestens aber sechs Monate.
- Neuerteilung beantragen. Frühestens sechs Monate vor Ende der Sperre. Die Behörde schickt dir dann die MPU-Anordnung.
- MPU machen. Du wählst die Begutachtungsstelle selbst und teilst der Behörde mit, welche du beauftragt hast.
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Häufige Fragen
Ab wie viel Promille droht eine MPU?
Ab 1,6 Promille ordnet die Führerscheinstelle die MPU zwingend an, das gilt auch für Radfahrer. Zwischen 1,1 und 1,6 Promille kann sie eine MPU verlangen, wenn weitere Hinweise auf Alkoholmissbrauch vorliegen. Auch wiederholte Alkoholfahrten führen zur MPU, unabhängig vom Wert.
Wie lange ist der Führerschein bei 1,7 Promille weg?
Das Gericht setzt eine Sperre von mindestens 6 Monaten und höchstens 5 Jahren fest. Danach bekommst du den Führerschein nur mit positivem MPU-Gutachten zurück. Wie lange es insgesamt dauert, hängt vor allem davon ab, wie früh du mit Vorbereitung und Nachweisen beginnst.
Welche Strafe gibt es bei 1,7 Promille?
Es ist eine Straftat nach § 316 StGB mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Dazu kommen in der Regel die Entziehung der Fahrerlaubnis, eine Sperrfrist und 3 Punkte. Die genaue Höhe der Geldstrafe legt das Gericht nach deinem Einkommen fest.
Wie viel Bier sind 1,7 Promille?
Bei einem 80 kg schweren Mann sind 1,7 Promille grob 95 Gramm reiner Alkohol im Körper, das entspricht knapp 5 halben Litern Bier. Weil der Körper während des Trinkens Alkohol abbaut, war die tatsächliche Menge meist höher. Die Rechnung ist nur eine Schätzung.
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Programm ansehen§ 13 FeV: Klärung von Eignungszweifeln bei Alkoholproblematik
§ 316 StGB: Trunkenheit im Verkehr
§ 69 StGB: Entziehung der Fahrerlaubnis
§ 44 StGB: Fahrverbot
§ 69a StGB: Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis
Anlage 13 FeV: Punktebewertung
§ 3 FeV: Einschränkung und Entziehung der Zulassung (fahrerlaubnisfreie Fahrzeuge)
BASt: Informationen zur MPU
DGVP: Beurteilungskriterien, Übersicht über die Änderungen der 5. Auflage