Beurteilungskriterien der MPU: Einfach erklärt
Die Beurteilungskriterien der MPU sind das Regelwerk, nach dem Gutachter entscheiden, ob du wieder geeignet bist. Sie heißen offiziell „Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung: Beurteilungskriterien“ und werden von den Fachgesellschaften für Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin herausgegeben. Seit 2026 gilt die 5. Auflage.
Hier erfährst du, wie die Kriterien aufgebaut sind, was Hypothesen wie A3, D2 oder D3 bedeuten, was sich mit den neuen Beurteilungskriterien geändert hat und wie du sie für deine Vorbereitung nutzt.
- Aktuell ist die 5. Auflage (BK 5), gedruckt seit März 2026, von den Stellen spätestens bis Ende August 2026 umgesetzt.
- Die Vorgänger waren die 3. Auflage (2013) und die 4. Auflage (2022, gültig ab 1. Juli 2023).
- Die Kriterien arbeiten mit Hypothesen: A1 bis A7 für Alkohol, D1 bis D7 für Drogen einschließlich Cannabis, V für Verkehr und Straftaten.
- N-Kriterien müssen erfüllt sein, bei K-Kriterien können Restdefizite über einen Kurs nach § 70 FeV ausgeglichen werden.
- Die Hypothese 0 prüft, ob deine Angaben verwertbar sind, also frei von Widersprüchen zur Akte und in sich.
Beurteilungskriterien der MPU: Definition
Die Beurteilungskriterien sind ein Fachbuch, das die Gutachter der Begutachtungsstellen für Fahreignung verbindlich anwenden. Herausgeber sind die Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und die Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM). Das Buch erscheint im Kirschbaum Verlag.
Es übersetzt die allgemeinen Regeln aus Fahrerlaubnis-Verordnung und Begutachtungsleitlinien in prüfbare Kriterien. Man spricht deshalb auch von Begutachtungskriterien. Für dich heißt das: Die MPU folgt einem nachvollziehbaren System. Wer die Logik kennt, weiß, worauf es ankommt.
Rechtliche Grundlage
Die Beurteilungskriterien sind kein Gesetz. Sie stützen sich auf:
- die Fahrerlaubnis-Verordnung, vor allem §§ 11, 13, 13a und 14 sowie die Anlagen 4 und 4a,
- die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt, deren neue Kapitel zu Alkohol, Cannabis und Drogen seit 19.08.2026 gelten.
Anlage 4a FeV verlangt, dass Gutachten nachvollziehbar und nachprüfbar sind und nach wissenschaftlich anerkannten Verfahren entstehen. Die Beurteilungskriterien liefern diesen Standard. Weicht ein Gutachter von ihnen ab, muss er das begründen.
Die Auflagen
| Auflage | Jahr | Wichtigste Neuerungen |
|---|---|---|
| 3. Auflage | 2013 | V-Hypothesen für Verkehrs- und Strafrechtsauffällige |
| 4. Auflage | 2022, gültig ab 1. Juli 2023 | PEth im Blut als dritter Alkohol-Abstinenzbeleg |
| 5. Auflage | 2026 | neue Cannabis-Kriterien, schärfere Werte beim kontrollierten Trinken, Label „beeinträchtigte Konsumkontrolle“ |
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MPU-Check startenBedeutung für die MPU
Der Gutachter ordnet deinen Fall einer Hypothese zu und prüft dann deren Kriterien. Die Hypothesen sind wie eine Stufenleiter aufgebaut.
| Stufe | Alkohol | Drogen inkl. Cannabis |
|---|---|---|
| Abhängigkeit | A1 | D1 |
| beeinträchtigte Konsumkontrolle | A2 | D2 |
| Gefährdung | A3 | D3 |
| Trennproblem | A4 | D4 |
Die Hypothesen A5/D5 und A6/D6 prüfen medizinische und Leistungsvoraussetzungen, A7/D7 die Möglichkeit eines Kurses nach § 70 FeV.
Was A3, D2 und D3 bedeuten
- A3: Es lag eine Alkoholgefährdung vor. Ziel ist ein risikoarmer Konsum oder Verzicht, die Veränderung muss mindestens 6 Monate bestehen. Seit BK 5 darf kein Mischkonsum mit Cannabis vorliegen, und EtG- oder PEth-Werte müssen zu deinen Mengenangaben passen.
- D2: fortgeschrittene Drogenproblematik mit beeinträchtigter Konsumkontrolle. Abstinenz ist nötig, belegt über 15 Monate. Neu ist D 2.4 N für problematischen, hochfrequenten Cannabiskonsum.
- D3: Drogengefährdung ohne fortgeschrittene Problematik. Bei Cannabis ist jetzt Verzicht oder risikoarmer Konsum das Ziel, mit Belegen über die letzten 3 bis 4 Monate.
Beispiele aus der Praxis
Beispiel: 1,7 Promille, erste Fahrt
Eine Fahrt über 1,6 Promille ist ein Hinweis auf Gewöhnung. Ob der Gutachter A2 oder A3 annimmt, hängt von der ganzen Trinkgeschichte ab. Die BK 5 hat den Promillewert, der für A2 spricht, von 2,0/1,6 auf 2,5/2,0 Promille angehoben. Wer A2 zugeordnet wird, braucht in der Regel 12 Monate Abstinenz.
Beispiel: Widersprüchliche Trinkmengen
Du gibst drei Bier an, gemessen wurden 1,9 Promille. Die Hypothese 0 fragt, ob deine Angaben zur Akte und zum Erfahrungswissen passen. Tun sie das nicht, sind sie nicht verwertbar, und das Gutachten wird negativ.
Beispiel: Cannabis nach BK 5
Wer früher mit „gelegentlichem Konsum“ argumentierte, wird heute nach Konsummuster eingeordnet. Ein Wert ab 150 ng/ml THC-COOH im Serum spricht laut FAQ für nahezu täglichen Konsum. Er ist aber allein kein Entscheidungskriterium.

Was wirklich gefragt wird, was der Gutachter prüft und wie du deine Antwort aufbaust. 32 Seiten als PDF.
Verwandte Begriffe
- Hypothese: eine Aussage über dich, deren Erfüllung eine günstige Prognose trägt.
- Kriterium: nummerierter Prüfpunkt, etwa A 2.4 N. N heißt notwendig, K heißt kursfähig.
- Indikator und Kontraindikator: Merkmale, die für oder gegen ein Kriterium sprechen.
- CTU-Kriterien: Kapitel C 3 der Beurteilungskriterien, es regelt Abstinenz- und Konsumbelege.
- Begutachtungsleitlinien: die übergeordneten Leitlinien der BASt.
- Kursempfehlung: Ergebnis, wenn nur K-Kriterien offen sind und ein § 70-Kurs sie ausgleichen kann.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die MPU?
Der Untersuchungstag dauert meist drei bis vier Stunden. Die Beurteilungskriterien bestimmen nicht die Dauer des Termins, sondern wie lange deine Veränderung vorher bestehen muss, etwa 6 Monate bei A3 und 12 Monate bei A2.
Was kostet die MPU insgesamt?
Die Untersuchung kostet laut ADAC etwa 400 bis 800 Euro. Das Buch mit den Beurteilungskriterien musst du nicht kaufen. Kosten entstehen vor allem durch Belege, die die Kriterien je nach Hypothese verlangen.
Kann man die MPU beim ersten Mal bestehen?
Ja, 2025 waren laut BASt 58 Prozent der Gutachten positiv. Eine Quote nur für erste Versuche gibt es nicht. Wer seine Hypothese kennt und deren Kriterien erfüllt, hat gute Chancen.
Brauche ich für die MPU einen Abstinenznachweis?
Das hängt von der Hypothese ab. A2 verlangt in der Regel 12 Monate belegte Abstinenz, frühestens nach 6 Monaten, D2 verlangt 15 Monate. Bei A3 kann auch ein belegter risikoarmer Konsum reichen.
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Programm ansehenDGVP: Beurteilungskriterien (5. Auflage)
DGVP: Übersicht über die Änderungen der BK 5
DGVP/DGVM: FAQ zur BK 5 (09/2026)
DGVM: FAQ zu den Beurteilungskriterien (BK 4)
BASt: Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung
Anlage 4a FeV: Grundsätze der Begutachtung
BASt: Begutachtung der Fahreignung 2025
ADAC: MPU-Kosten