MPU: Der komplette Leitfaden
Die medizinisch psychologische Untersuchung, kurz MPU, entscheidet darüber, ob du deinen Führerschein zurückbekommst. Viele nennen sie „Idiotentest“. Das trifft es nicht: Es geht nicht um Intelligenz, sondern um die Frage, ob du künftig sicher fährst.
Dieser Leitfaden erklärt dir, wann die MPU angeordnet wird, wie der Termin abläuft, was er kostet, welche Nachweise du brauchst und wie du dich sinnvoll vorbereitest. Er ersetzt keine Rechtsberatung, gibt dir aber einen klaren Überblick über das Verfahren.
- 2025 gab es laut BASt 70.135 MPUs: 58 % geeignet, 4,3 % Kursempfehlung, 38 % ungeeignet.
- Ab 1,6 Promille am Steuer (auch auf dem Fahrrad) ordnet die Behörde eine MPU an (§ 13 FeV).
- Die MPU hat drei Teile: medizinische Untersuchung, Leistungstest, psychologisches Gespräch.
- Maßgeblich sind seit 2026 die Beurteilungskriterien in der 5. Auflage (BK 5).
- Über den Führerschein entscheidet allein die Fahrerlaubnisbehörde, nicht die Begutachtungsstelle.
Was ist die MPU?
Die MPU ist ein Gutachten über deine Fahreignung. Die Fahrerlaubnisbehörde ordnet sie an, wenn sie Zweifel hat, ob du ein Fahrzeug sicher führen kannst. Du beauftragst und bezahlst die Untersuchung selbst, und zwar bei einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF). Welche Stelle du wählst, ist deine Entscheidung. Alle Träger stehen auf einer Liste der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).
Die Gutachter prüfen nicht, ob du ein guter oder schlechter Mensch bist. Sie beantworten die Frage der Behörde, zum Beispiel: „Ist zu erwarten, dass Herr X auch künftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird?“ Dazu arbeiten ein Arzt und ein Psychologe zusammen. Grundlage sind die Begutachtungsleitlinien der BASt und die Beurteilungskriterien der Fachgesellschaften DGVP und DGVM.
Eine MPU ist keine Prüfung mit richtigen und falschen Antworten. Es gibt keinen offiziellen Fragenkatalog. Deshalb helfen auswendig gelernte „MPU Fangfragen“ oder „MPU Testfragen“ aus dem Netz wenig. Entscheidend ist, ob deine Veränderung nachvollziehbar und stabil ist.
Wann die MPU angeordnet wird: Alle Anlässe
Die häufigste Frage lautet: Ab wann muss man MPU machen? Die Antwort hängt vom Anlass ab. Die wichtigsten Regeln stehen in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) und im Straßenverkehrsgesetz (StVG).
- Alkohol: Pflicht ab 1,6 Promille oder 0,8 mg/l Atemalkohol, bei wiederholten Alkoholfahrten und bei Anzeichen für Alkoholmissbrauch (§ 13 FeV). Zwischen 1,1 und 1,6 Promille kann die Behörde eine MPU anordnen, wenn weitere Hinweise dazukommen.
- Cannabis: seit dem Cannabisgesetz eigene Regel in § 13a FeV. Eine MPU folgt vor allem bei wiederholten Verstößen unter Cannabiseinfluss oder bei Anzeichen für Missbrauch.
- Andere Drogen und Medikamente: § 14 FeV. Schon der Konsum harter Drogen kann zum Entzug führen, die Neuerteilung setzt dann meist eine MPU voraus.
- Punkte: Ab 8 Punkten im Fahreignungsregister wird der Führerschein entzogen. Für die Neuerteilung verlangt die Behörde in der Regel eine MPU (§ 4 StVG).
- Straftaten: erhebliche Straftaten mit Bezug zum Straßenverkehr oder mit hohem Aggressionspotenzial (§ 11 FeV).
Die BASt-Statistik 2025 zeigt, wie sich die Fälle verteilen: Alkohol macht 44 % aus, Drogen und Medikamente 21 %, Punkte 17 %.
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MPU-Check startenAblauf der MPU in drei Teilen
Der MPU-Termin dauert meist zwei bis vier Stunden, mit Wartezeiten auch länger. Die Reihenfolge der Teile ist nicht festgelegt.
- Fragebögen und medizinische Untersuchung: Du füllst Bögen zu Gesundheit, Lebenslauf und Anlass aus. Der Arzt untersucht dich körperlich und nimmt bei Alkoholfragen Blut ab, um Leberwerte zu bestimmen. Bei Drogenfragen gibt es ein Drogenscreening.
- Leistungstest: Am Computer werden Reaktion, Konzentration, Aufmerksamkeit, Orientierung und Belastbarkeit gemessen. Für die Pkw-Klassen reicht in der Regel der Prozentrang 16 in allen Tests.
- Psychologisches Gespräch: Etwa 45 bis 60 Minuten. Der Psychologe fragt nach deiner Vorgeschichte, den Ursachen, deiner Veränderung und deinen Strategien für die Zukunft.
Oft bekommst du am Ende eine erste mündliche Einschätzung. Das schriftliche Gutachten folgt meist innerhalb von etwa zwei Wochen.
Kosten der MPU
Die Gebühren sind seit 2018 nicht mehr gesetzlich festgelegt. Jeder Träger setzt eigene Preise. Der ADAC nennt eine Spanne von etwa 400 bis 800 €. TÜV NORD gibt je nach Anlass 550 bis 1.100 € an.
| Posten | Typische Spanne |
|---|---|
| MPU-Gutachten | ca. 400 bis 1.100 € |
| Abstinenznachweis Urin, 12 Monate | ca. 350 bis 700 € |
| Haaranalyse pro Probe | ca. 150 bis 350 € |
| Neuerteilung bei der Behörde | bis zu ca. 275 € |
Dazu kommen Kosten für die Vorbereitung, falls du sie nutzt. Die Spannen sind Richtwerte aus Anbieter- und Ratgeberangaben. Frag vor der Buchung immer nach dem konkreten Preis für deinen Anlass.

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Abstinenznachweise und Fristen
Bei vielen Alkohol- und Drogen-MPUs musst du belegen, dass du nichts mehr konsumierst. Das geschieht über Urin-, Haar- oder bei Alkohol auch Blutkontrollen (PEth) nach den sogenannten CTU-Kriterien. Wie lange du Nachweise brauchst, hängt davon ab, wie der Gutachter deinen Fall einordnet.
- Bei beeinträchtigter Konsumkontrolle (Hypothese A2) sind es in der Regel 12 Monate, frühestens nach 6 Monaten.
- Bei fortgeschrittener Drogenproblematik (D2) nennen die Kriterien 15 Monate.
- Bei Alkoholabhängigkeit (A1) ist eine Therapie Voraussetzung, BK 5 nennt für bestimmte Fälle einen Abstinenzzeitraum von 15 Monaten.
- Der letzte Beleg sollte höchstens etwa 4 Monate vor der MPU liegen.
Den Nachweis darf nicht dein Hausarzt machen. Er muss bei einer dafür qualifizierten Stelle mit forensisch akkreditiertem Labor laufen. Kläre die nötige Dauer früh, am besten direkt nach dem Führerscheinentzug.
Vorbereitung: So bestehst du
Wer vorbereitet zur MPU geht, schneidet deutlich besser ab. Die BASt-Studie M 226 ergab: Ohne Beratung waren beim ersten Versuch rund 37 % positiv. Wer früh informiert war und eine Schulung besucht hatte, kam auf 81 % positiv und 6 % Kursempfehlung. Die Studie ist von 2012 und nicht randomisiert, die Richtung ist aber eindeutig.
Gute Vorbereitung heißt nicht, Antworten zu lernen. Sie hilft dir, drei Dinge zu klären:
- Warum es zu deinem Delikt kam, also deine persönlichen Ursachen.
- Was sich seitdem konkret verändert hat, mit Belegen.
- Wie du Rückfälle künftig verhinderst, mit einem Plan für schwierige Situationen.
Achte darauf, dass deine Angaben zur Akte passen. Wer Trinkmengen nennt, die die gemessene Promillezahl nicht erklären, wirkt unglaubwürdig. Einen ersten Überblick, wo du stehst, gibt dir der kostenlose MPU-Check von MPU-Weg.
Nach der MPU: Führerschein zurück
Das Gutachten geht zuerst an dich, wenn du das so vereinbarst. Du entscheidest, ob du es der Behörde vorlegst. Ein negatives Gutachten musst du nicht weiterreichen. Die Behörde kann dann aber auf fehlende Eignung schließen, wenn du bis zur Frist kein Gutachten einreichst.
- Positiv: Die Behörde erteilt die Fahrerlaubnis neu, oft ohne erneute Fahrprüfung.
- Kursempfehlung: Nach einem Kurs nach § 70 FeV bekommst du den Führerschein in der Regel ohne neue MPU. Die Behörde muss vorher zustimmen.
- Negativ: Das Gutachten nennt meist, was dir noch fehlt. Nutze es als Arbeitsliste für den nächsten Anlauf.
Glossar und häufige Fragen
- BfF: Begutachtungsstelle für Fahreignung, führt die MPU durch.
- BK 5: 5. Auflage der Beurteilungskriterien, Maßstab der Gutachter seit 2026.
- CTU-Kriterien: Regeln für forensisch verwertbare Abstinenz- und Konsumbelege.
- Hypothese: Einordnung deines Falls, etwa A2 bei Alkohol. Sie bestimmt, welche Veränderung erwartet wird.
- Hypothese 0: Prüft, ob deine Angaben verwertbar sind, also widerspruchsfrei und passend zur Akte.
- Sperrfrist: Zeit, in der dir kein neuer Führerschein erteilt werden darf.
- § 70-Kurs: Kurs zur Wiederherstellung der Fahreignung nach einer Kursempfehlung.
Häufige Fragen
Welche MPU gibt es?
Die MPU wird nach Anlass unterschieden: Alkohol, Drogen und Cannabis, Punkte, Straftaten sowie Kombinationen daraus. Dazu kommen seltene Anlässe wie körperliche Mängel oder das Mindestalter. Der Ablauf ist gleich, die Fragen und Nachweise unterscheiden sich.
Wie lange ist eine MPU gültig?
Ein festes Ablaufdatum gibt es nicht. Die Behörde kann ein Gutachten ablehnen, wenn es veraltet ist oder sich seitdem etwas geändert hat. Leg ein positives Gutachten deshalb zeitnah vor.
Wie lange ist die MPU Pflicht?
Die MPU verlangt die Behörde, solange die Tat im Fahreignungsregister verwertet werden darf. Bei Straftaten mit Entzug sind das meist 10 Jahre, gerechnet ab der Neuerteilung und spätestens 5 Jahre nach der Entscheidung. Ein Jahr Überliegefrist kommt hinzu.
Wie lange dauert es bis zum MPU-Ergebnis?
Eine erste Einschätzung bekommst du oft direkt nach dem Gespräch. Das schriftliche Gutachten kommt meist innerhalb von etwa zwei Wochen, nachdem alle Laborbefunde vorliegen.
Warum ist die MPU so schwer?
Rund 38 % der Gutachten sind negativ. Der häufigste Grund ist nach übereinstimmender Einschätzung von Praktikern das Gespräch: Ursachen und Veränderung sind nicht nachvollziehbar erklärt. Fehlende oder zu kurze Abstinenznachweise sind der zweite große Grund.
Welche MPU-Arten gibt es nach Ergebnis?
Es gibt drei Ergebnisse: geeignet, nachschulungsfähig mit Kursempfehlung und ungeeignet. Bei einer Kursempfehlung kann ein Kurs nach § 70 FeV die erneute MPU ersetzen, wenn die Behörde zustimmt.
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